Systemische Paartherapie

Wenn Paare zu uns in Paartherapie kommen, fühlt sich mindestens einer, meist aber beide in der Paarbeziehung nicht mehr wohl, leidet oder ist sogar körperlich und seelisch krank geworden.

In einem gemeinsamen therapeutischen Prozess geht es uns um die Bearbeitung der Beziehung zwischen den Partnern, an deren Gestaltung und eben auch Veränderung beide Partner gleichermaßen beteiligt sind.
Wir versuchen mit dem Paar herauszuarbeiten, auf welchen Ebenen die aktuelle Krise so zu sagen „Sinn“ macht, d.h.:
Auf welche ungeklärten Themen, die nach Veränderung, nach einem nächsten Entwicklungsschritt drängen, deutet diese Krise hin?
Z. B.

Gibt es belastende Ereignisse in der gemeinsamen Vergangenheit, die nicht miteinander verarbeitet oder ausgesöhnt sind?
Gibt es übermäßige Belastungen, die das Paar zu tragen hat?
Wie geschieht das und was bedeutet dies für den Beziehungsalltag?
Gibt es eine eigenständige Paarebene innerhalb der Familie und wie wird sie von beiden Partnern gestaltet?
Werden in der Krise Themen aus der eigenen Biographie der beiden Partner virulent, die noch unverarbeitet die Paarbeziehung belasten?
Wie stehen beide Partner zueinander, was erwarten sie voneinander?
Gibt es noch gemeinsame Visionen?
Gemeinsam gehen wir aber auch der Frage nach, was in der Beziehung Gutes geschaffen wurde und was gut funktioniert, so dass eine Basis geschaffen wird, auf der neue Einsichten in innere Zusammenhänge hinzugenommen und anstehende Veränderungsprozesse eingeleitet werden können.
Nach unserem Verständnis nämlich sind persönliche Krisen immer Signale für anstehende Veränderungen/ Entwicklungsschritte, sowohl individuell als auch im Paar.
Stellt sich im therapeutischen Paarprozess heraus, dass das Paar keine gemeinsamen Entwicklungsspielräume mehr hat, dass die Beziehung am Ende ist, so versuchen wir gemeinsam konstruktiv Bilanz zu ziehen und den Partnern ( vor allem, wenn Kinder beteiligt sind ) dabei zu helfen, einen fairen und für alle Beteiligten lebbaren Trennungsprozess zu entwerfen.

Wir bieten Ihnen als Paartherapeutinnen einen geschützten Rahmen an, und tragen Sorge dafür, dass darin Schwieriges und Persönliches auf konstruktive Weise ausgesprochen und behandelt werden kann.

 

WAS VERSTEHEN WIR UNTER PAARTHERAPIE?

Wenn Paare zu uns in Paartherapie kommen, fühlt sich mindestens einer, meist beide in ihrer Paarbeziehung nicht mehr wohl, leidet oder ist sogar körperlich/seelisch krank geworden. Hier ist nach unserem Verständnis nicht das Individuum, sondern die gemeinsame Beziehung „krank“.
In einem gemeinsamen therapeutischen Prozess soll die Beziehung „geheilt“ werden; das bedeutet, das anstehende Veränderungs- und Entwicklungsprozesse angestoßen werden müssen, an denen beide Partner beteiligt sind, damit sich jeder wieder in der gemeinsamen Beziehung wohl fühlt und die Liebe zwischen beiden Partnern fließen kann.
Oder – wo dies nicht möglich ist, beide Partner darin unterstützt werden, ihre Beziehung als gemeinsame Lebenszeit fair und umsichtig zu beenden.
Wir unterscheiden kaum zwischen Paartherapie und Paarberatung; vielmehr geht es uns darum, gemeinsam gute Lösungen für die anstehenden Probleme zu entwickeln und zu Einsichten in die Sinnzusammenhänge der bestehenden Krise zu gelangen.
Menschliche Krisen und eben auch Paarkrisen sind nach unserem Verständnis Signale für wichtige anstehende Entwicklungsschritte, sowohl individuell, als auch im Lebensfluss des Paares.
In der Paartherapie versuchen wir mit Ihnen als Paar gemeinsam einen lebendigen Prozess zu gestalten, in dem das Sinnhafte der Krise auf verschiedenen Ebenen ans Licht gehoben wird, Ursachen in einem größeren Kontext neu zugeordnet – und anstehende Veränderungsprozesse angestoßen werden. Darüber hinaus werden konstruktive Formen der partnerschaftlichen Kommunikation eingeübt und in neuen Formen der Paarkultur gefestigt.

MIT WELCHEN PROBLEMEN KOMMEN PAARE IN PAARTHERAPIE?

Die häufigsten Probleme, mit denen Paare zu uns kommen, sind:

– große Unzufriedenheit durch häufiges Streiten
– Entscheidungsprobleme
– Außenbeziehungen und die Folgen im Paar
– Trennungswunsch
– Erziehungsprobleme → Paarkonflikte
– Beruf und Familie → Paarkonflikte
– Zweitehen – Zusammengesetzte Familien
– Sexualprobleme
– Gewalt, Sucht
– Krankheit im Paar, in der Familie
– Verlust und Tod
– Altersprobleme
– Sinnkrisen

WIE SEHEN WIR IN DER PAARTHERAPIE BEZIEHUNGSPROBLEME?

Wir gehen von der Annahme aus, dass bei der Entstehung der meisten Beziehungsprobleme beide Partner zusammenwirken. Deshalb kann die Lösung auch nur in einem gemeinsamen Prozess von beiden gefunden werden. Zwar halten die meisten Paare bevorzugt erst einmal an der Sichtweise fest, der jeweils andere sei der Verursacher des Problems, aber selbst wenn es nur einer der beiden Partner ist, der das Problem sichtbar macht, so hat die Krise immer einen Vorlauf, an dem beide aktiv oder passiv, bewusst oder ungewusst handelnd beteiligt sind. Jeder hat also 50% der Verantwortung bei der Gestaltung der Beziehungswirklichkeit, und jeder kann ausschließlich in diesem Teil Veränderungen vornehmen!
Darüber hinaus betrachten wir in der Paartherapie bereits das beschriebene Problem als den Versuch einer Lösung im Paar, denn in ihrer Interaktion versuchen ja bereits beide Partner bewusst oder unbewusst auf die Krise zu reagieren. Ist dies erst einmal einsichtig, so kann das Problem oder Symptom als Vorbote von Veränderung verstanden werden, das die Richtung weist.
Des Weiteren wissen wir, dass Paare wie alle menschlichen Individuen ein Leben lang Veränderungsprozessen unterworfen sind, und zwar im Sinne aufeinander folgender Entwicklungsphasen:

( Modell nach H. Jellouschek )
Frühling: Ein Paar werden = das junge Paar
Sommer: Familienphase = ein Paar bleiben im Kontext von Familie u. Beruf
Herbst: Zweite Lebenshälfte = Abschiede und Neuorganisation als Paar
Winter: Als Paar alt werden = die spirituelle Dimension

Damit ein Paar seine Identität behält, muss es sich immer wieder auf Veränderungsprozesse einlassen, Gewohntes und Eingespieltes loslassen und mit Neuem umgehen. Viele Paarkrisen weisen auf anstehende Veränderungen hin, die noch nicht vollzogen sind. So gesehen sind Krisen Herausforderungen, den nächsten anstehenden Entwicklungsschritt zu gehen, individuell und auch als Paar.
Selbst unvorhersehbare Krisen, die meist mit Verlust und erheblicher Desorientierung einhergehen, fordern die Betroffenen zu starken Veränderungen heraus. Deshalb ist auch hier die Frage der anstehenden Veränderung zur Bewältigung der Situation von zentraler Bedeutung.
Damit wird einsichtig, dass Paartherapie nach Lösungen im Sinne einer Weiterentwicklung der Partner und ihrer Paarbeziehung strebt. Den Focus setzen wir dabei auf die Ressourcen im Paar, auf das was gut funktioniert, und auf die vorhandenen Entwicklungskräfte, nicht auf Defizite oder Schuld im moralischen Sinne.

Wir erleben häufig, dass Paare in der Krise nur mehr den Mangel verwalten. In einem therapeutisch begleiteten Paarprozess besteht für jeden der Partner die Möglichkeit, durch genaues Hinschauen und erweitertes Verständnis sich neu zu positionieren, das eigene Da-Sein in der Beziehung zu spüren und realistisch zu entscheiden, was er bereit ist aktiv zu geben.

WIE VERLÄUFT EINE PAARTHERAPIE?

Äußerlich beginnt eine Paartherapie mit einem ausführlichen Erstgespräch, das dem gegenseitigen Kennenlernen dient. Erst am Ende dieses Erstgespräches entscheidet das Paar und die Therapeutin über eine weitere Zusammenarbeit. Wird diese vereinbart, so folgen regelmäßige Sitzungen von 1.5 Std im Abstand von 2 – 4 Wochen, je nach Absprache. Die Anzahl der Sitzungen einer Paartherapie kann individuell sehr unterschiedlich sein, manchmal kann sie bei 5 -8 Sitzungen liegen, manchmal umfasst der Prozess 15 – 25 Sitzungen. Der therapeutische Prozess schließt mit einem bilanzierenden Abschlussgespräch ab, und er kann noch durch ein Nachsorgegespräch, das mit großem zeitlichen Abstand durchgeführt wird, abgerundet werden. Alle Absprachen zum äußeren Ablauf der Paartherapie werden gemeinsam getroffen.

Im Inneren, also inhaltlichen Verlauf einer Paartherapie gehen wir zunächst von der Gegenwart des Paares aus, und der darin beschriebenen Lebenswirklichkeit.
Um die Zusammenhänge der Problematik im größeren Kontext zu verstehen, erweitern wir den Blick sodann auf die Geschichte des Paares als ihrem gemeinsamen Lebensweg. Wir nennen das die „Ko-Konstruktion“ der gemeinsam gelebten Paargeschichte. Diese betrachten wir in ihren verschiedenen Lebensphasen, den darin enthaltenen Lebensthemen und der Art der Bewältigung der anstehenden Lebensaufgaben.
Den Hintergrund dafür bilden sodann die Erfahrungen und Prägungen, die jeder aus seiner eigenen Herkunftsgeschichte mitbringt. Es kann zum Verständnis eines Beziehungskonfliktes hilfreich sein, den Kontext bis in die individuelle Vergangenheit beider Partner zu erweitern, um zu erhellen, welche Lebensthemen und -Erfahrungen in der Paarbeziehung zusammenfließen.
Wir verbinden diese historischen Aspekte aber auch mit der Zukunft, d.h. mit den Zielen und Visionen, auf die das Paar sich zu bewegen möchte.
Im Paartherapieprozess verbindet sich also über die Gegenwart die Vergangenheit mit der Zukunft.
Diese horizontale Zeitachse der verschiedenen Lebensabschnitte verfolgen wir kontinuierlich unter dem Gesichtspunkt der Interaktion im Paar. Wir bezeichnen das als die vertikale Dimension und wir meinen damit: Wer geht/ist gegangen mit wem wie um? – handelnd, kommunikativ, emotional und intentional.
In der Bearbeitung der Verflechtung beider Dimensionen, der horizontalen und der vertikalen bekommt die gemeinsame Lebensgeschichte einen veränderten Kontext im Sinne neuer Betrachtungsweisen, die seine Sinnhaftigkeit ebenso erhellend zutage fördern wie neue Ansätze für besser lebbare Lösungswege.
Ein therapeutisch begleiteter Paarprozess ist ein intensiver, individueller Weg des Paares, hin zu seiner eigenen Identität als Paar!

Kunst bringt das leben in Unordnung!
Ein Paartherapeut ist vergleichbar mit einem Bildhauer.
Dieser fügt dem Stein nichts hinzu, sondern nimmt etwas davon weg,
so dass die Linien zutage treten, die der Skulptur ihre Gestalt verleihen.“
(Zitat frei nach A. Retzer)

WELCHE METHODEN SETZEN WIR EIN?

Wir setzen in unserer Arbeit über das Gespräch hinaus bildreiche und erlebnisorientierte Verfahren ein, wie z.B.:

– Kommunikationstraining
– Paarskulpturen und -aufstellungen
– Imagination
– Time-Line-Arbeit
– Körperübungen
– Rituale und Symbole
– Arbeit mit dem inneren Kindanteil
– Einüben einer Paarkultur
– Sandbilder

Alle diese Methoden helfen, der häufig anzutreffenden verbalen Immunisierung der Partner entgegenzuwirken, und durch den Einbezug aller Sinne Veränderungen intensiver zu verinnerlichen.

WAS KÖNNEN SIE VON UNS ERWARTEN?

– Mehrfache, qualifizierte Ausbildungen im Bereich der Systemischen Paartherapie.
– Langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit Paaren.
– Fortlaufende Weiterqualifikation in diesem Bereich.
– Absolute Schweigepflicht!
– Zuverlässigkeit in allen Absprachen.
– Achtsamkeit in der Gestaltung der Beziehungsebene mit Ihnen als Paar.
– Allparteilichkeit, Offenheit, Wertfreiheit, Geduld und emotionale Stärke in der Rahmung und Begleitung Ihres Paarprozesses.
– Ihnen eine sachkundige Wegbegleiterin zu sein, um sich, falls nötig, Ihnen auch einmal in den Weg zu stellen!

WAS BRAUCHEN WIR VON IHNEN?

– Die Motivation und Bereitschaft beider Partner, an diesem Prozess der Veränderung gemeinsam mitzuwirken und für das Eigene Verantwortung zu übernehmen.
– Die Bereitschaft, sich genügend Zeit einzuräumen, sowohl für die
– vereinbarten Paargespräche, als auch dazwischen für den Beziehungsprozess im Alltag.
– Die Bereitschaft, eine Zeitlang die Beziehungsklärung und -entwicklung in den Fokus Ihrer Aufmerksamkeit zu stellen.
– Offenheit für Neues.
– Mut, sich zu öffnen, für sich selbst zu sprechen und die eigene Situation aus der Nähe zu betrachten.
– Ihren finanziellen Einsatz gemäß Ihren Vermögensverhältnissen als Ausdruck Ihrer Verantwortlichkeit für Ihre eigenen Belange.